WHIT MONDAY UND TIT TUESDAY.

Whit Monday, auf Deutsch: Pfingstmontag, wird in England zwar zur Kenntnis genommen, aber, anders als in Deutschland, nicht mit einem bank holiday, einem arbeitsfreien Feiertag, geehrt. Das liegt daran vielleicht daran, dass Engländer von jeher mit Religion nicht so viel am Hut haben und die Römisch Katholische Kirche mit ihrem ganzen drögen Erbsündengehabe seinerzeit einfach durch eine eigene Kirche ersetzt haben: Der Church of England, kurz COE, eine prima Kirche für Leute, die Religion ganz okay finden, aber Sonntags lieber Tee trinken oder im Garten werkeln als Kirchenlieder singen. Viel größerer Beliebtheit als der Whit Monday erfreut sich  – zumindest unter englischen Männern – ohnehin der Tit Tuesday – der erste Tag im Jahr, der so warm ist, dass Männer vor den pubs stehen und Bier trinken und Frauen das vorführen können, was den Winter über unter dicken Pullovern und  Mänteln verborgen war. 

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HUMPERDINCK FOR BAKU!

Während alle debattieren, ob die aserbaidschanischen Omas Baku rocken werden, ruht mein Augenmerk ganz auf Royal MöniekDas Mutterland der Popmusik schickt in regelmäßiger Zuverlässigkeit die hoffnungslosesten Interpreten zum Eurovision Song Contest und kündigt diese jeweils mit „Our best in years!“ an: Kenneth McKellar, Typ Versicherungsberater, der 1966 im Schottenkilt und mit seinem No-Hit-Wonder “A Man without Love” die längsten drei Minuten der Musikgeschichte bestreitet. Die Band Black Lace, deren Leadsänger Suzi-Quatro-Haare trägt und „Mary Ann“ röhrt wie Rod Steward in einer Tupperdose. Samantha Janus, die 1991 mit “A Message to Your Heart” die Ungerechtigkeit der Welt bekämpfen will und dabei Augen und Ohren von Millionen von Europäern bekämpft. Jemimi, die 2003 mit “Cry Baby” das fast Unmögliche schaffen: null Punkte zu bekommen (Was die Engländer später darauf schieben, dass man sich zu dem Zeitpunkt im Krieg gegen Irak befand). Daz Sampson, der 2006, umrahmt von Mädchen in Schuluniform, eine Art Rapsong vorträgt und dazu schunkelt wie im ZDF Fernsehgarten. Die Boyband Blue, die schließlich 2011 versucht, sich mit einem Mix aus schlecht sitzenden Kostümen, holziger Choreographie und dem Song “I can” auf Platz 1 zu tänzeln, dann aber von Moldawiern mit Eiswaffeln auf dem Kopf besiegt wird … 

Die Liste englischer Interpreten, bei denen schon in Sekunde Eins klar war,  dass das nicht gut ausgehen kann, ist endlos. Das hat nichts mit Pech zu tun, sondern mit englischen Kalkül. Wer will schon den Grand Prix gewinnen und zur Strafe im folgenden Jahr die gesamte bucklige Eurovision Song Contest Bagage mit ihren seltsamen Kostümen, Sprachen und Essensgewohnheiten ins eigene Land einladen müssen – das Ganze for a pocketful of fluff and buttons – für’n Appel und’n Ei? Wo Engländer bekanntermaßen nichts so unangenehm finden wie Besuch. Dann doch lieber auf den untersten Plätzen herumdümpeln, schön in Ruhe gelassen werden und sich auf das konzentrieren, was man am besten kann: die schönste Popmusik der Welt machen!

Auch dieses Jahr bringt der englische Kandidat alle Voraussetzungen mit, um diesen gewieften Plan aufgehen zu lassen. Engelbert Humperdinck war zuletzt vor 42 Jahren in den Top Ten, ist allen Menschen unter fünfzig wahrscheinlich völlig unbekannt und mit 76 Jahren der älteste Interpret, der jemals am transeuropäischen Musik-Wettkampf teilnahm. „Ich bin aufgeregt und bereit loszulegen“ sagte Engelbert der englischen Presse. Ich auch!

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LÖCKCHENPERÜCKEN, TITTENSCHLÄUCHE UND DER CROYDN FACELIFT.

Mein aufrichtiges Beileid an die Vertreter des englischen Rechtswesens. Englische Richter tragen, wie wir aus Historienfilmen wissen, selbst bei diesen sommerlichen Temperaturen Löckchen-Perücken aus Rosshaar, die um die 1000 Pfund kosten, in etwa genauso viel wiegen und vermutlich wahnsinnig jucken. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal wollen sie mit ihrem Kopfputz klarmachen: Hier spricht keine Privatperson, sondern ein respektables Instrument (wiewohl ein sehr lustig aussehendes, respektables Instrument) des Staats. Zum zweiten wahrt die Perücke die Anonymität des Richters und schützt ihn somit vor möglichen Rachefeldzügen der von ihm verurteilten Straftäter. (Comicfreunde wissen, dass das exakt die Gründe sind, aus denen Batman ausschließlich in Maske und Umhang herumfliegt: Um Furcht in den Herzen aller Übeltäter zu entzünden und die geheime Identität zu verbergen“. ) Ob das mit dem Respekt und der Furcht funktioniert, sei dahin gestellt. Dennoch schlugen englische Richter Alarm, als ein Angehöriger der britischen Regierung im Jahr 2001 die Abschaffung der Perücken forderte. Sie gaben Dutzende von Studien zu dem haarigen Thema in Auftrag und kamen nach jahrelangen Beratungen zum Kompromiss, dass Zivilprozesse künftig in Straßenkleidung, Strafprozesse aber weiterhin in vollem Ornat – sprich: Perücke, Talar, Strumpfhosen und Schnallenschuhe – abgewickelt werden sollen.

Ein Ornat, das mindestens so furchteinflößend ist, ist übrigens der essex girl look: Weiße Stiletto-Pömps, weiße Handtasche, neonfarbener, gürtelbreiter Rock, pinkfarbenes Wurstpellenoberteil (boob tube), zentimeterdicker Eyeliner, Sonnenbankbräune, eine Fluppe (fag) im Mundwinkel und der sogenannte Croydn Face lift: zum fettigen Pferdeschwanz zurückgeschabte Haare. Und nicht zu vergessen: ein männlicher Begleiter (chav) mit rasierter Glatze, Bierflasche und einem Trainingsanzug (shell suit), der in einer Sozialbausiedlung wohnt und bis zur Halskrause in illegale Aktivitäten verstrickt ist. Doch dazu ein anderes Mal.

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HOW TO BE A GOOD SPORT.

Die Nation, die der Welt Schlammschnorcheln, Esskastanien-Klickern und Käserollen geschenkt hat, erfand auch die Redewendung „to be a good sport“. Das bedeutet nicht etwa, wie man als Deutscher meinen könnte, ein guter Sportler sein, sondern, ganz im Gegenteil, vor allem: ein guter Verlierer sein. A good sport zeichnet sich dadurch aus, dass er auch angesichts einer Niederlage weder den Rasen verdrischt, noch seinen Gegner anspuckt noch mit dem Schiedsrichter feilscht, sondern mit heiterer Miene über das Spielfeld spaziert, dem Kontrahenten die Hand reicht und etwas Edelmütiges sagt wie “The better man wins!” – „Der Bessere gewinnt!“, auch wenn es ihn inwändig zerreißt, weil es sich beim Gegenüber z.B. um den Schlimmsten aller Gegner handelt: bayrische Krauts. A good sport wird übrigens auch im Siegesfall nicht die Fäuste zum Himmel recken, auf den Knien herumrutschen oder seine Mitspieler abküssen. Sollten Sie heute also irgendwelcher seltsamen Verrenkungen (Siehe Abb.) gewahr werden, ist das zutiefst unbritisches Verhalten und liegt ausschließlich am ausländischen Einfluss – zum Beispiel am bayrischen Bier. Cheers!

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WUNDERSCHÖNER TAG, IST ES NICHT?

Eine prima Möglichkeit, ein Gespräch zu eröffnen oder peinliches Schweigen zu füllen, ist das Sprechen übers Wetter. Auch wenn es in England nur zwei Sorten Wetter gibt (kalter Regen, warmer Regen), wird der Engländer nie müde, die elementaren Fragen zu erörtern: 1) Wann wird es heute regnen? 2) Wie wird es heute regnen? Die Präzisierung von drops of rain, whisps of rain, drizzling rain, sprinkling rain, soft rain, dash of rain, rain, spitting rain, streaming rain, hammering rain, pouring rain, lashing rain, pelting rain, bickering rain, heavy rain, drenching rain, downpouring rain, buckets of rain, rainfall, driving rain, rainstorm, pissing rain, sheets of rain, flurry of rain, showers of rain, torrents of rain, flooding rain und monsoon kann ganze Abende füllen. Mit Looks like rain! machen Sie jedenfalls nie was falsch. Wichtig beim weathertalk ist freilich, dass Sie ihrem Gegenüber immer zustimmen. Selbst wenn es draußen Bindfäden regnet, lautet die einzig korrekte Antwort auf die Bemerkung Lovely day, isn‘t it? („Schöner Tag, nicht wahr?“): Yes, wonderful, isn‘t it? („Ja, herrlich, ist es nicht?“). Wenn Sie diese Regel beherzigen, wird man Sie, selbst wenn diese Antwort das Letzte ist, was Sie den ganzen Abend von sich geben, als äußerst angenehmen, wohlerzogenen und schlagfertigen Gesprächspartner in Erinnerung behalten. Selbst schwierige Gespräche gehen gleich viel leichter von der Hand, wenn man erst einmal übers Wetter geplaudert hat: 

Looks like rain, doesn’t it? „Es sieht nach Regen aus, tut es das nicht?“

Oooh, yes, it’s clouding up, it really is! „Oh ja, es bewölkt sich immer mehr, das tut es tatsächlich.“

Has been raining quite a lot, recently, hasn’t it? „Es hat in letzter Zeit ziemlich viel geregnet, nicht wahr?“

Actually, it has. Terrible, isn’t it? „Gewiss hat es das. Furchtbar, ist es nicht?“

I shagged your best friend yesterday. „Ich habe gestern deine beste Freundin gevögelt.“

Oh, did you? Well, never mind. „Oh, hast du? Naja, kein Problem.“

Yeah. „Yeah.“

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BEGRÜSSUNG AUF ENGLISCH.

Als ordentlicher Deutscher haben Sie wahrscheinlich gelernt, dass man bei einer Begegnung mit fester Stimme Guten Tag oder Hallo sagt, sich namentlich vorstellt und die Hand des Gegenübers beherzt schüttelt. Das ist natürlich so not, was der klassische Engländer sich unter einer angemessenen Begrüßung vorstellt. Alleine schon die Sache mit dem ausufernden Handschlag: Yuck! Fassen Sie es nicht als persönliche Beleidigung auf, wenn ihr englisches Gegenüber Ihnen a.) die Hand gar nicht gibt, sondern Ihnen nur freundlich zunickt oder zuwinkt. b.) Ihnen so wieselartig die Hand hinhält und gleich wieder wegzieht, dass man allenfalls mit Hilfe einer Zeitlupenwiederholung entdecken könnte, dass er Ihnen die Hand gegeben hat. Oder c.) Ihnen zögernd und auf Armeslänge eine schlaffe blutleere Hand reicht und dabei guckt wie ein Kandidat aus Dschungelcamp, der auserkoren wurde, in ein Aquarium voller achtäugiger Springspinnen zu greifen. Oft werden Sie auch auf eine unbeholfene Mischung aus Winken, Hand reichen, Hand wegziehen und fahrig mit den Händen in der Luft herumrudern treffen. Denn die Engländer sind kein sonderlich taktiles Volk und grundsätzlich einigermaßen unsicher, was sie in einer heiklen Situation wie der alltäglichen Begrüßung mit ihren Händen machen sollen.

Kolossale Unsicherheiten werden Sie typischerweise auch auslösen, wenn Sie Ihrem englischen Gegenüber ohne jedes Vorweggeplänkel und aus dem Blauen heraus Ihren Namen an den Kopf schleudern: “Hello, I am Birgit Schmidt.” Excuse me? Hallo? Was soll Ihr englisches Gegenüber denn bitte mit Ihrem Namen anfangen, wenn Sie sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal darüber geeinigt haben, ob die Musik laut ist und das Wetter wunderbar und Nudelsalat im Allgemeinen überschätzt wird?  Falls irgendwelche Sachzwänge es erfordern sollten, Ihren richtigen Namen doch schon bei der allerersten Begegnung zu verraten, machen Sie es wie die Engländer: Murmeln Sie ihn so nuschelig in Ihren Bart, dass ihn niemand versteht – wahrscheinlich wird Ihre lustige deutsche Aussprache hier sehr hilfreich sein – und hängen Sie blitzschnell ein “How do you do” an. Bei dieser scheinbaren Frage handelt es sich selbstredend um eine reine Floskel, auf die kein Engländer mit Details über den laufenden Scheidungsprozess oder den letzten Bandscheibenvorfall antworten wird, sondern den er lediglich mit einem ebenso dahingesagten “How do you do” quittieren wird oder – falls er in besonders mitteilsamer, persönlicher, emotionaler Stimmung ist, mit einem verlegenen “Well, well … “ oder “Yeah, not too bad …“.

Unter jüngeren Engländern gelten natürlich lockerere Regeln. Genau wie in Deutschland  sind Begrüßungen wie Hi, Hey und Ay an der Tagesordnung. Und unter sehr guten Freunden begrüßt man sich auch schon mal mit einem freundlichen “Whassup, ye wanker?”Was geht, du Arsch?. Oder, wenn man weiblich und – für englische Verhältnisse – sehr unerschrocken ist und cosmopolitisch rüberkommen will, mit Wangenküssen, auf englisch: Mwah-Mwahs. Danach aber muss, das ist der springende Punkt des Britischseins, entweder ein linkisches ”I say … “ oder ein unbeholfener Witz oder eine peinliche Pause folgen – oder eine holprige Kombination aus allen drei Dingen. Denn Linkischkeit, Unbeholfenheit, Peinlichkeit und Holprigkeit sind die verlässlichen Grundpfeiler jeder englischen Begegnung. Als auf Funktionieren programmierter Deutscher werden Sie das ein paar Mal üben müssen, bis es läuft wie - naja, eben wie nicht geschmiert. Rufen Sie sich einfach die berühmte Szene in “Ein Fisch namens Wanda” ins Gedächtnis, in der der Schauspieler John Cleese mit nichts als einem Portraitfoto vor dem nackten Genital bekleidet, mit einer Gruppe von Wohnungsinteressenten konfrontiert wird und auf seinem Gesicht blankes Entsetzen, Verlegenheit und eingefrorenes Lächeln miteinander wetteifern. SO sieht ein typisch britisches Hallo aus!

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BITTE LINKS EINORDNEN UND AUF ALLES GEFASST MACHEN.

Was ist das für ein wundersames Volk, das Flipflops im Schnee und Socken im Bett trägt? Das den besten Humor und die schlechtesten Elfmeter produziert? Das Räucherhering zum Frühstück und Essig-Pommes zu Abend isst? Das eine der ältesten Demokratien der Welt und die meisten Überwachungskameras Europas hat? Dieses Buch erklärt, wie man sich als Kraut auf der Insel bewegt ohne in Fettnäpfchen zu treten oder gebratenen Igel essen zu müssen. Ein Muss für jeden deutschen Hüftbeutel!

 Ab jetzt im Handel und in unregelmäßigen Abständen hier als Blog. (Vielleicht sogar bald mit Kommentarfunktion, wenn ich rausgefunden habe, wie man das technisch macht)

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