THE TUBE CHALLENGE

Eine britische Dame, die noch viel länger im Amt ist als die Queen, nämlich seit 1890, ist die London Underground. Deren Kosename tube – auf deutsch: Schlauch – beschreibt die Mühen, die mit diesem Fortbewegungsmittel verknüpft sind, treffend. Die tube ist nicht nur das größte unterirdische, sondern auch das unzuverlässigste Verkehrssystem der Welt. Tube Challenge heißt ein Sport, der 1961 zum ersten Mal im Guinness Book of Records Erwähnung fand. Die Aufgabe: Alle 275 Stationen der London Underground in einem Rutsch und in der kürzest möglichen Zeit abfahren. Der Rekord liegt bei 18 Stunden und 25 Minuten und wird von zwei Schweden gehalten. Wobei die hauptsächliche challenge nicht in der Kenntnis des Streckennetzes und des Zeitplans besteht, sondern in der Bewahrung der Contenance, wenn mal wieder sämtliche Züge entweder umgeleitet werden, Verspätung haben oder zusammenbrechen, weil sie, wie gesagt, sehr, sehr alt sind. Manchmal brechen statt der Züge auch die Reisenden zusammen. Womöglich, weil sie schon so lange auf ihren Anschlusszug warten, dass auch sie mittlerweile sehr, sehr alt sind, oder aber weil es Sommer ist, und bei den Temperaturen in der tube dann, wie Wissenschaftler vor ein paar Jahren feststellten, sogar Tiertransporte unzulässig wären. Beides erklärt, warum die tube eine beliebte Selbstmord-Location ist, was wiederum zur Folge hat, dass es eine unerschöpfliche Vielfalt von Ansagen gibt, die auf bemerkenswert kreative Weise mitteilen, dass gerade jemand überfahren wurde, wie zum Beispiel: “Die Fahrt verzögert sich aufgrund einer spontan behinderten Person”. Da nicht alle darüber informiert sind, dass die tube sich ihren Strom aus den Schienen holt, segnen manche unachtsamen Passagiere übrigens auch aus Versehen das Zeitliche – obendrein mit einer ziemlich unvorteilhaften Frisur. Was lernen wir daraus? Mind the gap!

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