TOTE PFANNE.

Erinnert ihr euch an das Spiel, bei dem sich zwei angucken, und wer zuerst lacht, hat verloren? Genau so geht britischer Humor. Dead pan heißt der Gesichtsausdruck, den hierzulande nur vollgeboxte Promis hinkriegen, und der in England immer dann zum Einsatz kommt, wenn es komisch wird. Der Witz am englischen Humor ist, dass man dabei keine Miene verzieht – geschweige denn: sich vor Lachen auf die Schenkel schlägt, sein Gegenüber anstupst oder irgendwas anderes Hilfreiches macht, um anzudeuten, dass man gerade etwas Witziges gesagt oder gehört hat. Auch das angeblich so britische und unter deutschen Marketingleitern oft strapazierte twinkle in the eye praktiziert kein Engländer, der etwas auf sich hält. Das plus die Tatsache, dass der englische Humor mit Kalauern, Doppeldeutigkeiten und Insiderwitzen nur so gespickt ist, macht es für Deutsche nicht leicht, ihn zu entschlüsseln.
Krauts sind – englischen Umfragen zufolge – aber ja ohnehin das unlustigste Volk der Welt. Englische Wissenschaftler behaupten, das läge an der deutschen Sprache, die zwar prima für militärische Großkundgebungen oder Zündkerzen-Einbau-Anleitungen sei, aber nicht zum Witzigsein tauge. Das sehe man ja schon an Wörtern wie Donaudampfschiffsfahrtsgesellschaftskapitän oder Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz.
Nichts desto trotz gibt es eine Handvoll deutscher Comedians, die regelmäßig durch England touren. Diese sind, kann man sagen, nicht die Speerspitze deutschen Humors. Vermutlich will das englische Publikum, das deren Vorstellungen besucht, auch nur mit eigenen Augen sehen, dass es so was wie Deutsche Lustigkeit überhaupt gibt. Und betrachtet die Sache mit demselben gönnerhaften Gefühl, mit dem Deutsche ein chinesisches Auto betrachten. Natürlich machen sie es so gut sie es eben können, die Chinesen. Aber der Aschenbecher ist dann doch irgendwie fipsig. Und der Blinker wird, so wie er aussieht, bei der ersten Kurve abbrechen. Ist eben doch nicht deutsche Qualitätsarbeit. Herrlich! Die Mehrheit der Engländer ist fest davon überzeugt, dass Zuschauer in deutschen Comedy Clubs singen, klatschen und mit den Füßen im Takt stampfen und dazu komische, altertümliche Kostüme anziehen. Wer, der einmal das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen eingeschaltet hat, will es ihnen verdenken?
Aus Queenig & Spleenig?! Wie die Engländer ticken, im Buchhandel, sowie bei Amazon und Langenscheidt erhältlich.
