DIE LEAD AWARDS: NOT TOO BAD.

Ich war gestern Abend auf den Lead Awards – einer Preisverleihung, die – für Werber unfassbar – ohne großes Blingbling und Tadah auskommt. Mit einem selbstironisch bescheidenen Thomas Gottschalk („Endlich darf ich wieder am Hauptabend auftreten.“) Mit vielen Auszeichnungen für Independent- und Nischentitel. Und mit Preisträgern, die mit verkrumpeltem Lorbeerkranz aus dem Urlaub grüßten oder auf die Frage nach ihrem Erfolgskonzept Sachen sagten wie „Ja, man versucht halt, was Neues zu machen.“ Not too bad! möchte man da jubeln. Was unter Engländern so ungefähr das überschwänglichste Lob ist, das man sich denken kann. Wer es dabei noch schafft, dreinzuschauen wie sieben Tage Regenwetter, kann gleich die britische Staatsbürgerschaft beantragen.

Engländer machen kein großes Gewese um die eigene Leistung. Auch wenn man barfuss den Mount Everest erklommen, den London Eye aus einem Streichholz geschnitzt oder ein Gemüse gegen den Welthunger gezüchtet hat – spielt man die Chose mit einem beiläufigen “Ach, das ist gar nichts – nur ein kleines Hobby von mir.” runter. Unter nicht der Rede wert rangieren auch die Leistungen berühmter Landsmänner. Ein Engländer wird niemals von David Beckham sagen, dass der ein Spitzenspieler sei, sondern höchstens anmerken: “Er hat einige Spiele hinter sich.” John Lennon behauptete seinerzeit von Ringo Starr, dieser sei „nicht mal der beste Schlagzeuger innerhalb der Beatles“. Und als Colin Firth 2011 für den Oscar nominiert wurde, war sich die gesamte englische Presse einig, dass das nur in die Hose gehen kann. Als Firth dann doch den Oscar gewann, bedankte er sich postwendend bei seiner Filmcrew dafür, dass sie es ihm schwer gemacht hatte, „so schlecht zu sein, wie ich es eigentlich vorhatte.“ Soviel Sich-selbst-kleinmachen treibt mitunter lustige Blüten. Wie bei der Veröffentlichung des Buchs mit dem Titel Craptowns – Scheißorte – dem der zweite Band direkt auf dem Fuß folgte, weil sich so viel Engländer beschwerten, dass ihr Wohnort es nicht ins erste Band geschafft hatte.

So gesehen könnten die Ausrichter der Lead Awards vielleicht doch was verbessern: Indem sie sich zwecks noch mehr Understatements künftig Follow Awards nennen?

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